Alte Waage

ALTE WAAGE

Markt 4
04109 Leipzig

Baujahr:
1555
1963/64 (Fassade rekonstruiert)

Architekt:
Hieronymus Lotter

Baustil:
Renaissance

Die 1555 erbaute Ratswaage zählt zu den bedeutenden kulturgeschichtlichen Zeugnissen der Handelsstadt Leipzig. Obwohl urkundliche Belege fehlen, so wurde der Bau vermutlich von Hieronymus Lotter und seinem Gehilfen Paul Speck ausgeführt. Vor allem zu Zeiten der Messe herrschte reges Treiben, denn sämtliche Waren, die von den Kaufleuten in die Stadt gebracht wurden, unterlagen der Waagepflicht, auch die Zollabgaben wurden hier festgelegt. Die von den Kaufleuten zu entrichtende Gebühr stellte eine wichtige Einnahmequelle der Stadt dar. Zu jener Zeit befanden sich im Erdgeschoss des Gebäudes die Schreib- und Amtsstuben des Waageamtes, den Keller beanspruchte die Ratsweinschänke als „gemeine Trinkstube“, während das erste Geschoss den Ratsherren als Trinkstube diente.
Bereits vor 1555 befand sich an dieser Stelle ein städtisches Waagegebäude, das dem gleichen Zwecke wie das Lottersche Gebäude diente: dem Wiegen und der Besteuerung. Die Einnahmen daraus standen in den städtischen Finanzen an zweiter Stelle hinter denen des Burgkellers. In diesem Vorgängerbau bezogen die Tuchmacher 1469 im zweiten Geschoss ihre Zunfträume, nachdem sie ihr Zunfthaus an der Grimmaischen Straße dem Rat der Stadt zu Verwaltungszwecken zur Verfügung stellen mussten. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Waage vor das Hallische Tor verlegt. Von 1661 bis 1712 befand sich im alten Waagegebäude das erste Leipziger Postamt, bevor es in die Thomasgasse umzog.
Im 19. Jahrhundert hatte die Geschäftsstelle der Kommunalgarde (bis 1862) ihren Sitz in den Räumlichkeiten der Alten Waage. Ab 1917 dienten sämtliche Räume dem neugegründeten Messeamt.
Das Gebäude wurde während des Zweiten Weltkrieges komplett zerstört. Die historische Putzfassade mit dem charakteristischen Staffelgiebel zum Markt und der Gliederung aus Porphyrtuff wurde in den Jahren 1963/64 nach einem Entwurf des Leipziger Architekten Wolfgang Müller rekonstruiert Im Gegensatz dazu ist die Fassade in der Katharinenstraße 1 – das Grundstück gehört seit 1570 zur Alten Waage – nicht wiederhergestellt worden, sondern modern mit Sichtbeton und Porphyrplatten gestaltet. Die Wirkung des mächtigen Treppengiebels wurde früher noch durch einen, dem Gebäude vorgelagerten Treppenturm gesteigert, der jedoch 1861 aufgrund verkehrstechnischer Erwägungen entfernt und im Zuge der Rekonstruktion nicht wieder errichtet wurde.