Barthels Hof

BARTHELS HOF

Markt 8 | Hainstraße 1 | Kleine Fleischergasse 2
04109 Leipzig

Bauherr:
Gottlieb Barthel

Architekt:
George Werner

Bauzeit:
1747-1750
Umbau 1870/71

Länge der Passage:
122 Meter

Barthels Hof ist der letzte erhaltene barocke Handelshof aus den Zeiten der Warenmesse und damit für die Geschichte der Messestadt von besonderem Rang. Der Gebäudekomplex erstreckt sich vom Marktplatz bis zur Kleinen Fleischergasse und wurde in in Jahren von 1747 bis 1750 von George Werner für den Leipziger Kaufmann Gottlieb Barthel errichtet. Die geräumige Durchfahrt entstand erst im Zuge des Umbaus von 1870/71.
Bereits im 16. Jahrhundert wurde der Handel in die Höfe verlegt, die Schutz bei schlechtem Wetter boten und zudem den Warenumschlag erleichterten, da die Fuhrwerke ohne zu wenden hindurchfahren konnten. Im Erdgeschoss dieser sogenannten Durchhäuser befanden sich Kaufkammern und Messegewölbe, ferner Ställe und Remisen. Die oberen Geschosse beherbergten meist reich ausgestattete Wohnungen, Kontore und mitunter auch Festsäle.
Einen deutlichen Hinweis auf die frühere Nutzung der Dachgeschosse als Warenspeicher geben die an den mächtigen Hofflügeln aus dem 18. Jahrhundert vorhandenen Speicherluken mit den noch erkennbaren Ansätzen der Kranbalken, über die seinerzeit die Waren in die Magazine gezogen wurden.
Die neobarocke Straßenfassade zum Markt hin schuf Bruno Leopold Grimm in den Jahren 1870/71. Im Zuge dessen verlegte er die Renaissance-Fassade des Hauses „Zur Goldenen Schlange“ an die Innenseite. Von jenem, für den Leipziger Faktor Hieronymus Walther d. Ä. im Jahre 1523 errichteten Bürgerhaus, ist der reich ornamentierte Sandsteinerker noch erhalten. Am spätgotischen Erkerkragstein mit den sich kreuzenden Rippen ist das Wahrzeichen des Hauses, eine vergoldete, sich um ein Kreuz windende Schlange, dargestellt. Im darüber liegenden Brüstungsfeld sind die Wappen der Familien Walther und Preußer zu sehen. Die obere Brüstung stellt ein aufgeschlagenes Buch mit lateinischer Inschrift dar. Abschluss bildet der hohe Volutengiebel, der während des Zweiten Weltkrieges zerstört und im Jahre 1996 rekonstruiert wurde.