Ehem. Kaufhaus Ebert

EHEMALIGES KAUFHAUS EBERT 

Thomaskirchhof 22
04109 Leipzig

Bauherr:
Franz Ebert

Architekten:
August Hermann Schmidt & Arthur Johlige

Bauzeit:
1903/04

Baustil:
Jugendstil, Neobarock

Zu den imposantesten Geschäftsbauten der Leipziger Innenstadt gehört zweifelsohne das in den Jahren 1903/04 von den Architekten Schmidt & Johlige errichtete Konfektionshaus für Franz Ebert, das sich in dominanter Ecklage befindet.
Stilistisch verbindet das Gebäude Elemente des Jugendstils und des Neobarock – typisch für viele Leipziger Bauten dieser Zeit. Von den drei gleich großen Fassadensegmenten ist die verbrochene Ecke zur Klostergasse hin als Hauptfront gestaltet. Diese Schauseite nimmt den Eingang auf. Die großzügig durchfensterte Fassade ist sowohl an der Haupt- als auch an den Seitenfassaden vertikal durch Sandsteinpfeiler gegliedert, die durch Bögen verbunden sind und jeweils drei Geschosse verbinden. Bekrönt wird die Hauptfront von einem mächtigen Giebelaufbau mit einem großen zentralen Fenster in den Formen des Jugendstils, seitlich flankiert von gedrungenen Ecktürmchen. Darüber befindet sich ein Turmerker, dessen Inschrift den Namen des Bauherrn „Ebert“ trägt. Den oberen Abschluss bildet eine reichgegliederte Krone mit Fahnenstange.
Die zwei Obelisken auf dem Dachfirst, die Bedachung der Ecktürmchen und der barockisierenden Dachgauben, ebenso die Schmuckelemente an der Fassade sowie das Supraportenfenster über dem Nebeneingang am Thomaskirchhof sind erst im Zuge der Sanierung in den Jahren 1995/96 vergoldet worden. Obwohl die Vergoldung ursprünglich in der Bauplanung vorgesehen war, wurde sie seinerzeit nicht ausgeführt, so dass sich die kupferverkleideten Teile lange in grüner Patinierung zeigten. Die nachträgliche Vergoldung entsprach einer Auflage der Denkmalpflege.
Besondere Beachtung verdienen die vergoldeten Kupferreliefs zu beiden Seiten des Haupteingangs. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg eingezogen und erst mit der Restaurierung in den 1990er Jahren ergänzt. Die Reliefs stellen zwei Allegorien dar: Superbia (Eitelkeit) und Luxuria (Genusssucht). Die Treppenhausverglasung stammt von Karl-Heinz Traut aus dem Jahre 1992.
Im Laufe der Zeit wechselte das ehemalige Kaufhaus Ebert wiederholt den Namen. In den 1930er/40er Jahren war es eines der sieben Indanthren-Häuser der IG Farben, ab 1949 gehörte es als Kaufhaus „Fortschritt“ zu den Konsum-Kaufhäusern, von 1984 bis 1990 wurde es als Modehaus „Topas“ geführt. Seit 1990 hat die Commerzbank eine Filiale in dem Gebäude.

Kulturhistorisch und stadtgeschichtlich interessant ist die Vorgängerbebauung des Grundstücks am Thomaskirchhof, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Zunächst standen hier die Gebäude des Thomasklosters; nach dessen Auflösung 300 Jahre später folgten u.a. das 1543-1547 erbaute kurfürstlich-sächsische Amtshaus; später die im Jahre 1764 gegründete Leipziger Zeichenakademie, deren erster Direktor Adam Friedrich Oeser war. Ab 1702 bis zur Fertigstellung des Neubaus am Tröndlinring befand sich im Gebäude der Betsaal der Reformierten Gemeinde sowie ab 1712 das erste Leipziger Postamt.