Hôtel de Pologne

HÔTEL DE POLOGNE

Hainstraße 16/18
04109 Leipzig

Bauherr:
Christian August Pusch

Architekt:
Arwed Rossbach (Umbau 1891/92)

Bauzeit:
1847/48
1891/92 Umbau

Baustil:
Neorenaissance (Umbau)

Das Hôtel de Pologne wurde im Jahre 1828 gegründet und bis 1917 als Hotel genutzt.
Bereits vor der Errichtung des Hotels standen hier ursprünglich drei Häuser, von denen das seit 1614 „Zum Birnbaum“ genannte Gasthaus das bekannteste war. Um 1500 betrieb der Buchdrucker Melchior Lotter in diesem Haus eine Herberge mit Weinschank und gab im Jahre 1519 Martin Luther und Philipp Melanchthon während der Leipziger Disputation Quartier.
Der Gastwirt Christian August Pusch erwarb zwischen 1819 und 1832 alle drei Gebäude, von denen zwei seit dem 16. Jahrhundert als Gasthäuser genutzt wurden: der Gasthof „Zum Birnbaum“, der sich auf dem südlichen Grundstück des späteren Hotels befand, und der nördlich gelegene Gasthof „Goldener Adler“. Pusch fasste im Jahre 1843 die drei Gebäude unter dem Namen Hôtel de Pologne zusammen. Der Name erinnert an das Ereignis, als der polnische König Stanislaus Leszczynski im Jahre 1706 im Gasthaus „Zum Birnbaum“ Quartier nahm.
Ein verheerender Großbrand zerstörte am 29. August 1846 alle drei Gebäude einschließlich des Festsaals von Eduard Pötzsch, dem Architekten des Bayrischen Bahnhofs. Im Jahre 1847 wurde das Hotel als einheitlicher Bau über alle drei Grundstücke neu errichtet und erhielt seine heutige imposante Größe. Zur Eröffnung im Jahre 1848 war das dreizehnachsige, fünfgeschossige Hotel mit 130 Zimmern seinerzeit das größte in Leipzig.
Pläne aus dem Jahre 1890, die auf dem Grundstück eine repräsentative König-Albert-Passage zur Katharinenstraße vorsahen, wurden nicht realisiert. Stattdessen baute der Architekt Arwed Rossbach in den Jahren 1891/92 das Gebäude grundlegend um und gestaltete im Zuge dessen die Fassade im Stil der florentinischen Renaissance. Die Inneneinrichtung der zwei erhaltenen neobarocken Festsäle im ersten Obergeschoss stammt vom Berliner Architekten Ludwig Heim.
Bis zu seiner Schließung im Jahre 1917 wurde das Gebäude während des Ersten Weltkrieges zeitweise als Lazarett genutzt. Der Festsaal war indessen auch weiterhin für Veranstaltungen zugänglich, so beispielsweise diente er bis 1943 als Kabarett „Nachtfalter“, 1943 bis 1945 umbenannt in „Soldatenheim“, 1945/46 als „Casino“ und von 1947 bis zur Schließung im Jahre 1950 als „Atrium“.
Das Gebäude fungierte in den 1920er Jahren zeitweise als österreichisches Messehaus.
In den 1930er Jahren wurde das Grundstück, welches der jüdischen Familie Eitington gehörte, „arisiert“, der Leipziger Unternehmer Kurt Herrmann wurde unrechtmäßiger Besitzer.
Zu DDR-Zeiten bis 1993 diente das Haus dem Leipziger Messeamt als Bürogebäude, der Festsaal wurde als Kantine genutzt.
Nach fünfzehnjährigem Leerstand erfolgte in den Jahren 2011 bis 2014 die denkmalgerechte Sanierung und der Umbau des Gebäudes zum Büro- und Verwaltungsgebäude.