Königshaus

KÖNIGSHAUS

Markt 17 | Petersstraße 13
04109 Leipzig

Bauherr:
Andreas Dietrich Apel

Architekt:
Maurermeister Johann Gregor Fuchs

Bauzeit:
Um 1560
1706/07 barockisiert

Baustil:
Barock

Länge der Passage:
121 Meter

Der heute gebräuchliche Name des Hauses wurde vermutlich im 18. bzw. 19. Jahrhundert durch den Volksmund geprägt. Seit 1904 wird der Name „Königshaus“ auch offiziell benutzt. Aber auch „Welschs Haus“, „Apels Haus“ oder „Thomäisches Haus“, benannt nach dem jeweiligen Besitzer, waren in der Vergangenheit gebräuchlich.
Das Königshaus ist das letzte am Markt erhaltene Renaissancegebäude. Der Wendelstein im Inneren verweist auf die Zeit um 1560, da der Senior der medizinischen Fakultät Dr. Welsch sich anstelle eines aus dem 15. Jahrhundert stammenden Gebäudes ein Renaissancehaus errichten ließ.
Im 17. Jahrhundert diente das Gebäude dem Rat der Stadt als Gästehaus. So weilte hier 1631 der Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg, auch Zar Peter der Große, der sich auf der Rückreise von den Niederlanden nach Russland befand, nahm 1698 im Gästehaus Quartier.
Um 1704 kaufte der Quedlinburger Kaufmann Andreas Dietrich Apel das Grundstück und ließ das Gebäude in den Jahren 1706/07 durch den Maurermeister Johann Gregor Fuchs, der zuvor bereits das Romanushaus in der Katharinenstraße errichtetet hatte, zu einem Stadtpalais im Stil des Barock umbauen. Vom Vorgängerbau wurde die vorbarocke Treppenspindel übernommen, die auch heute noch genutzt wird.
Der Rat der Stadt blieb Mieter der gesamten ersten Etage und pflegte weiterhin in diesem Gebäude seine Gäste unterzubringen. August der Starke logierte auf Stadtkosten regelmäßig während der Messe mit seinem ganzen Hof in diesem prächtigen Bürgerhaus. Die Ausgaben wurden jedoch wieder eingespielt, da die Anwesenheit des Hofes eine große Reklamewirkung hatte. Die Gattin August des Starken war während dieser Zeit in einem Nebenhaus untergebracht. Auf Anweisung des Königs wurde mit Apel 1706 ein Mietvertrag abgeschlossen, der beinhaltete, dass gegen eine jährliche Miete von 2000 Talern das gesamte Haus während der dreijährlichen Messen für den Hof bereitgehalten werden sollte. Nicht nur das Vorderhaus, auch Räume der Hintergebäude wurden angemietet. Im Jahre 1827 wurde auf Geheiß König Antons der Mietvertrag endgültig gekündigt.
Während des Siebenjährigen Krieges logierte der Preußenkönig Friedrich II. zweimal in diesem Haus. Bei seinem zweiten Aufenthalt im Jahre 1760 führte er Gespräche mit Christian Fürchtegott Gellert, der zur damaligen Zeit an der Universität Leipzig lehrte. Im Hintergebäude befand sich ehedem ein Saal, in dem die „Musikübende Gesellschaft“ des Johann Adam Hiller ihre Konzerte veranstaltete, bis sie 1781 ins Gewandhaus, das sich vormals an der heutigen Universitätsstraße befand, umzog.
Zur Zeit der Völkerschlacht logierten mehrere Feldherren im Königshaus. Napoleon verabschiedete sich am 19. Oktober 1813 im Erkerzimmer des ersten Obergeschosses von seinen sächsischen Bundesgenossen, bevor er nach Frankreich flüchtete. Das sächsische Königspaar erwartete im Oktober 1813 in diesem Haus die Entscheidung.
Schwer krank besuchte 1820 Feldmarschall Karl Phillip Fürst zu Schwarzenberg, der Oberkommandierende der Verbündeten, nochmals die Stätte der Völkerschlacht und starb im ersten Obergeschoss des Hauses.
Noch 1827 wohnte König Anton während seiner Aufenthalte in Leipzig im Königshaus.
Im 20. Jahrhundert blieb vom barocken Glanz des Hauses wenig übrig. Ab 1907 wurde das Königshaus während der Messen vorübergehend für Ausstellungszwecke genutzt.
1932 baute Curt Schiemichen eine Passage ein, die nach Kriegsende in veränderter Form wieder aufgebaut wurde. Im Inneren befanden sich über den vorspringenden Schaufenstern im Anschluss an die hallenartige Erweiterung Galerien, die als Cafés genutzt wurden. Die weißen Marmortreppen, die links und rechts der Halle zu der Caféempore führten, sind noch erhalten, ebenso wie Teile der alten Schaufensteranlagen aus Messing. Ein Jahr zuvor, im Jahre 1931, wurde sogar der Abbruch des Hauses in Erwägung gezogen, da der kunstgeschichtliche Wert des barocken Bürgerhauses aufgrund der starken Veränderungen der Fassade kaum noch erkennbar war. Erst bei der Renovierung des Gebäudes in den Jahren 1965/67 wurde die Fassade mit ihrem kleinen Erker mit Ausnahme des Erdgeschosses entsprechend ihrer ursprünglichen Gliederung wiederhergestellt. In den Jahren 1992/93 wurde auch das Erdgeschoss mit dem symmetrischen Doppelportal rebarockisiert.
Die einstige Pracht des Bürgerhauses lässt sich im Inneren nur noch erahnen. So sind die beiden barocken Stuckdecken im ersten Obergeschoss sowie ein kunstvoller Kamin mit der Darstellung des Herkules noch erhalten geblieben. Bis heute verschwunden ist die aufwändig gestaltete Dachbalustrade, die mit Vasenaufsätzen geschmückt war. Im Passageinnern kreuzen sich die Mädlerpassage, die Messehofpassage, die Messehauspassage und die Königspassage.