Rudolf Sack; BBG

RUDOLF SACK; BBG
Plagwitz

Gießerstraße 12
04229 Leipzig

Kurzcharakteristik:
Gebäude der ehemaligen Landmaschinenfabrik Rudolph Sack, später Werkstattgebäude, des VEB Leipziger Bodenbearbeitungsgeräte (BBG) auf einem Grundstück mit Karl-Heine-Straße 105

Datierung:
Ende 19. Jh.

Nutzung (ursprünglich)/Industriezweig/Branche:
Produktionsgebäude/Montanindustrie

Bau- und Firmengeschichte:
Eines der herausragendsten Beispiele für die beachtlichen Expansionsaktivitäten einzelner Firmen in Plagwitz ist das der Landmaschinenfabrik Rudolph Sack. Der erfahrene Landwirt Rudolph Sack hatte bereits 1854 in Löben bei Lützen mit dem Bau selbst entwickelter landwirtschaftlicher Geräte begonnen. Auf persönliches Betreiben Karl Heines hin siedelte Rudolph Sack, von Unternehmergeist beseelt, 1863 mit einigen Beschäftigen nach Plagwitz über und gründete seine Firma. Mit nur fünf Angestellten bezog das Unternehmen in den angemieteten Räumlichkeiten der kleinen Eisengießerei von Kaspar Dambacher vorübergehend Quartier, bevor Rudolph Sack begann, durch eine wohl durchdachte Ankaufspolitik ein riesiges Firmenareal in Plagwitz aufzubauen. Zunächst errichtete er 1867 auf dem Grundstück der heutigen Karl-Heine-Straße 95 eigene Fabrikgebäude zur Produktion von Pflügen, Krümelwalzen, Hack- und Drillmaschinen sowie ein Wohnhaus. Bei sich bietender Gelegenheit erwarb er benachbarte Firmengelände. Das rasch expandierende Unternehmen umfasste binnen kurzer Zeit das gesamte Areal zwischen Kanal und Gießerstraße sowie Karl-Heine- und Weißenfelser Straße. In wenigen Jahren entwickelte sich die Firma zum Großunternehmen mit 25 Gebäuden. 1891 erfolgte die Umwandlung des Unternehmens in eine Kommanditgesellschaft. 1900 verstarb der Firmengründer Rudolph Sack, die Leitung der Kommanditgesellschaft übernahmen seine Söhne Paul und Otto Sack. Infolge der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre wurden viele Arbeiter entlassen. Durch die Umstellung auf geheime Kriegsproduktion (z.B. MG-Wagen) ab 1934 stellten sich jedoch wieder ökonomische Erfolge ein. Umfangreiche Gewinne erwirtschafteten auch die Kriegsgefangenen, die ab 1942 in der Firma arbeiteten. Aus diesem Grund wurde der Betrieb 1945 sofort stillgelegt, Otto Sack verhaftet und später als Kriegsverbrecher verurteilt. Ab 1946 verwaltete die Landesregierung Sachsen den Betrieb treuhänderisch. Seit 1948 wurden unter dem Namen VEB Leipziger Bodenbearbeitungsgeräte (BBG) bis zum Ende der DDR Landmaschinen produziert. Mit über 1000 Beschäftigten war der BBG zu diesem Zeitpunkt der größte Landtechnikhersteller in der DDR. Ab 1983: VEB Bodenbearbeitungsgeräte Karl Marx Leipzig (VEB BBG). 1990 wurde der VEB BBG zum BBG Leipzig AG umgewandelt. 1993 erfolgte die Bildung der BBG Leipzig GmbH. 1994 wurde die Produktion auf dem Plagwitzer Gelände eingestellt und auf einen neuen Standort, in ein Gewerbegebiet südlich von Plagwitz, verlegt. Die Verwaltung des ehemaligen Plagwitzer Firmenareals samt Bebauung übernahm die Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft mbH, bis 1996 die Stadt Leipzig nach langen Verhandlungen ein ca. 4 ha umfassendes Teilgrundstück erwarb. Seit 1998 ist das Unternehmen Amazonen-Werke der neue Eigentümer der BBG Leipzig GmbH i.L.. Die Mehrzahl der Plagwitzer Gebäude existiert heute nicht mehr.

Charakterisierung:
Das Ende des 19. Jahrhunderts erbaute ehemalige Fabrikgebäude stellt sich als zweiflügeliger, dreigeschossiger schlichter Putzbau mit Satteldach in Ecklage an der Weißenfelser Straße dar, mit verbrochener Ecke zur Straßenkreuzung. Zur Gießerstraße ist das Gebäude einseitig freistehend. Die früheren Gebäude auf dem Gelände Gießerstraße 12, wie Kesselhaus West, Gießerei, Gießereihalle und Schornstein sowie Kontorgebäude befanden sich auf einem Grundstück mit der Karl-Heine-Straße 105.
Noch vorhandene Reste der Gebäudebrücke über die Gießerstraße sowie die auf dem Gelände erhaltenen Industrieanschlussgleise erinnern an die ursprüngliche Nutzung als Fabrikgebäude.

Objektgröße:
Die Produktionsgebäude der Firma Sack befanden sich auf einem Gesamtareal von 75000 qm, die heute noch vorhandenen Restgebäude auf einem Siebtel der damaligen Fläche.

Quellen und Literatur:
Dreyer, Klaus: Die Geschichte der BBG – Von Rudolph Sack bis AMAZONE. Frankfurt/Main 2009.

Rüstig, Manfred: BBG – Landmaschinenbau in Leipzig. Leipzig 2008.

Verein Deutscher Gießereifachleute (VDG) e.V. (Hrsg.): 150 Jahre Leipziger Gießereigeschichte. Eine Hommage an die Region Leipzig und ihre industriellen Wurzeln. Leipzig 1999.

Autor/in:
Juliane Gölzner