Thomashaus

THOMASHAUS
Superintendentur

Thomaskirchhof 18
04109 Leipzig

Architekt:
Georg Weidenbach und Richard Tschammer

Bauzeit:
1903/04

Baustil:
Historismus, Jugendstil

Der Vorgängerbau des 1903/04 errichteten Thomashauses war die nach Entwürfen von George Werner in den Jahren 1731/32 erbaute städtische Thomasschule. Sie war Wohn- und Wirkungsstätte Johann Sebastian Bachs, der von 1723 bis zu seinem Tod 1750 das Amt des Thomaskantors ausübte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entsprach die Thomasschule nicht mehr den Anforderungen der Zeit. Mit dem raschen Wachstum der Stadt Leipzig einhergehend stiegen die Schülerzahlen bis ins Jahr 1877 bis auf 369 Schüler an. Aufgrund der beengten Verhältnisse sowie der schlechten hygienischen Bedingungen im Schulhaus und im Alumnat am Thomaskirchhof wurde der Schulneubau unumgänglich. Am 10. Oktober 1881 bezog der Thomanerchor sein neues Domizil in der Hillerstraße. Im Gebäude der alten Thomasschule war bis zu dessen Abbruch im Jahr 1902 für einige Jahre die Schülerwerkstatt untergebracht.
Die Entwürfe für das 1904 fertig gestellte Thomashaus, dem langjährigen Sitz der Superintendentur, stammten von den Leipziger Architekten Georg Weidenbach und Richard Tschammer.
Das dreigeschossige Gebäude mit der Fassade aus bossierten Sandsteinquadern weist stilistische Bezüge zur hiesigen Renaissance und Spätgotik auf. Markant sind die drei östlich, südlich und westlich des schiefergedeckten Daches mit Dachreiter angeordneten Staffelgiebel. Das rundbogige Eingangsportal ist im Stil der Renaissance gestaltet und befindet sich an der östlichen, zum Thomaskirchhof gelegenen Fassade. Die unterschiedlich gestalteten Kastenerker sind der Fassade vorgeblendet. Auf der nach Westen, zur Promenade hin gelegenen Gartenseite ist der eingeschossige Vorbau im Erdgeschoss als massive, dreiachsige Veranda ausgebildet, obenauf mit einem Austritt. Von der Veranda aus führt eine Freitreppe in den Garten. Erwähnenswert ist auch der eingeschossige Standerker mit Austritt.
Die Innengestaltung weist Einflüsse des Jugendstils auf. Beeindruckend sind die erhaltenen Buntglasfenster sowie das 1904 datierte und signierte Wandgemälde von Paul Horst Schulze.

Der gläserne Verkaufspavillion des Thomasshops wurde im Jahre 2003 nach den Entwürfen von Gerd Heise/HPP zwischen Superintendentur und Thomaskirche eingefügt. Neben dem Pfarramt der Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Thomas sind der Thomaskirche – Bach e.V., die Stiftung Chorherren zu St. Thomae sowie der Verein forum thomanum Leipzig e.V. im Thomashaus ansässig.