Untergrundmessehaus am Markt

UNTERGRUNDMESSEHAUS AM MARKT
 
Grimmaische Straße 17
04109 Leipzig

Bauherr:
Leipziger Messe- und Ausstellungs-Aktiengesellschaft

Architekt:
Carl Crämer (Unterirdische Halle)
Otto Droge (Eingangsgestaltung)

Baujahr:
1924

Baustil:
Schmuckdetails im Art Déco

Die Untergrundmessehalle war das erste unterirdische Ausstellungsgebäude der Welt. Als sie zur Frühjahrsmesse 1925 zum ersten Mal in Funktion trat, erregte sie bei Messegästen und Leipzigern gleichermaßen Aufsehen. Weder in Bezug auf ihre Ausstellungsfläche von 1800 Quadratmetern, die 175 Ausstellern Platz bot, noch aufgrund ihrer monumentalen Wirkung war die Untergrundmessehalle mit anderen Messegebäuden vergleichbar. Vielmehr war es ihre Eigenart als „Unterirdische“, die für die damalige Zeit außergewöhnlich war.
Zur Leipziger Messe im Jahre 1919 stieg die Zahl der Aussteller derart an, dass die vorhandenen Ausstellungsflächen nicht mehr ausreichten. Das Messeamt beschloss daraufhin die Aufstellung einer Holzbaracke von 40 x 80 Metern auf dem Markt, die zu jeder Messe auf- bzw. abgebaut werde musste. Aufgrund der prekären wirtschaftlichen Situation kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges war an den Neubau von Messehäusern nicht zu denken. Schließlich befristete der Rat der Stadt 1922 die Zustimmung zum Aufbau der „Holzbude“ bis zur Herbstmesse 1924. Da die „Meßhalle Markt“ ihre Messeaufgabe zudem nur unzulänglich erfüllte und die Holzbaracke trotz der Versuche, sie durch niveauvolle Reklame erträglich zu machen, das historische Stadtbild erheblich störte, drängten die Aussteller auf eine dauerhafte Lösung. Indes fand die von Peter Behrens angestrebte Lösung, den nüchternen Zweckbau zur monumentalen „Reklameburg“ umzugestalten, keine Zustimmung.
Der kühne Plan, unterhalb des Marktes zu bauen, kam aus den Reihen der Aussteller selbst, die die zentrale Lage des Platzes bevorzugten. In Kooperation mit der Messe- und Ausstellungs-A.G. wurde ein Bauplan erstellt. Den endgültigen Plan der Anlage entwarf der Leiter des Baubüros der Messe- und Ausstellungs-A.G., der Architekt Carl Crämer, der zugleich die Bauleitung übernahm. Als im Mai 1924 die Ausschachtungsarbeiten begannen, verfolgten viele Leipziger das sensationelle Ereignis.
Anfangs umstritten war die Gestaltung des Haupteinganges. Das ursprünglich geplante Eingangshäuschen lehnten die Stadtverordneten ab, der Platz sollte von jeglichem Aufbau frei bleiben. Der Entwurf des Leipziger Architekten Otto Droge, der eine, dem historischen Marktplatz am besten entsprechende Lösung fand, überzeugte schließlich. Droge führte das Eingangsbauwerk in rotem Rochlitzer Porphyrtuff aus, der auch beim Bau des Alten Rathauses verwendet wurde. Die Schmuckdetails sind im Stil des Art Déco gehalten. Der Zutritt zum Messehaus erfolgte über eine zweiläufige Treppenanlage an der Südseite des Marktes. Die Ausstellungshalle hatte zur Eröffnung 1925 eine Länge von 89 Metern und 45 Meter Breite, bei einer Höhe von 5 Metern. Schlanke Betonsäulen bestimmten den nüchternen Zweckraum.
Die Untergrundmessehalle gehörte zu den wenigen, während des Zweiten Weltkrieges unbeschädigt gebliebenen Ausstellungsräumen. 1952 nahm sie ihre Funktion wieder auf.
Im Zuge des Baus des Leipziger City-Tunnels wurde die Untergrundmessehalle im Jahre 2005 abgetragen. Die 160 Porphyr-Platten des Eingangsbauwerks wurden bis zur originalgetreuen Wiederherstellung der historischen Eingangszone im Jahr 2013 zwischengelagert. An Stelle der alten Messehalle erfolgte 2013 die Inbetriebnahme der S-Bahn-Station „Markt“.